Geschichten erzählen mit Wattpad

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Wenn ich meine Geschichten nur online veröffentlichen wollte, würde ich auf Wattpad damit anfangen. Da Eluin von Weltenpfad es sich gewünscht hat, gebe ich hier eine kurze Einführung in die Plattform und was sie alles kann. Kurz gesagt kann jeder auf Wattpad Geschichten in allen möglichen Genres lesen und selbst schreiben. Das klingt erst mal nach Fanfiction und ja, die gibt es auch, aber ich würde sagen, dass die Originalgeschichten doch zahlreicher und vor allem lesenswerter sind. Darüber hinaus bietet Wattpad einige Funktionen und Möglichkeiten, die es von anderen Schreibplattformen wie Fanfiktion.de und Archive of Our Own abhebt.

Auf der Website selbst ist eine ausführliche Einführung zu finden, in der unter anderem steht: „Wattpad takes everything you love about storytelling, and turns it into a social, on-the-go experience.“ Außerdem gibt es ein kleines Einführungsvideo und Infos für Autoren, denn auch einige Profis nutzen die Plattform, um mehr Leser zu erreichen und Bonusgeschichten in Umlauf zu bringen.

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Studiowoche 9

Spät, aber doch will ich berichten, dass es nichts zu berichten gibt. Nein, das stimmt nicht ganz. Seit einer Weile tobe ich mich in der Lyrik aus und habe dabei herausgefunden, dass Gedichte und vor allem Haikus sich wunderbar für Momentaufnahmen eignen. Ein großer Teil meines Schreibens besteht tatsächlich aus den kleinen Dingen, dem Alltäglichen, daher wundert es mich gerade, dass ich diese Formen nicht früher ausprobiert habe. Die Reime waren es wohl, die mich abgeschreckt haben. Aber ein Gedicht ist doch nicht nur, was sich reimt, richtig?

Da ich diesen Monat wenig Zeit für längere Geschichten habe, kann ich meine Ideen auch auf diese Weise festhalten. Die meisten dieser Schnappschüsse kommen auf Englisch, weil sie so natürlicher klingen. Englisch ist eine kurze, eine präzise Sprache, vielleicht auch nur für mich. Außerdem habe ich beschlossen, einige der Gedichte online zu veröffentlichen und zwar auf Wattpad. So ist die Sammlung The Ninth Gate entstanden. Hier das Eröffnungsstück:

Habt ihr schon von Wattpad gehört oder eigene Erfahrungen damit gemacht? Ich bin mir ja nie sicher, ob die Plattform im deutschsprachigen Raum bekannt ist. Manche scheinen sie zu kennen, andere haben noch nie davon gehört. Vielleicht wäre eine Einführung in einem eigenen Beitrag interessant? Für mich hat sie auf jeden Fall ihre Vorteile (eigene Cover, Bilder im Text, Videos und Soundtracks!). Nicht zuletzt gefällt mir, dass der Piper-Verlag bereits zweimal einen Romanwettbewerb dort veranstaltet hat, dessen Gewinner dann veröffentlicht wurde.

Die Gedichte stelle ich vor allem online, weil ich keinerlei Ambitionen damit verfolge, und natürlich aus dem Gedanken heraus, dass sie dem einen oder anderen gefallen könnten. Vielleicht poste ich in Zukunft wieder Ausschnitte hier, falls denn Interesse besteht.

Rezension: Wintersong

wintersongS. Jae-Jones
Titan Books, 2017
Taschenbuch, 508 Seiten
Amazon / Thalia / Goodreads

All her life, Liesl has heard tales of the beautiful, dangerous Goblin King. They’ve enraptured her spirit and inspired her musical compositions. Now eighteen, Liesl can’t help but feel that her musical dreams and childhood fantasies are slipping away.

But when her sister is taken by the Goblin King, Liesl must journey to the Underground to save her. Drawn to the strange, captivating world she finds–and the mysterious man who rules it–she soon faces an impossible decision. With time and the old laws working against her, Liesl must discover who she truly is before her fate is sealed.

Was im Klappentext wie ein simples Märchen klingt, ist in Wahrheit eine wunderbar gefühlvolle und dicht gewobene Geschichte, die mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt hat. Selbst jetzt, nach dem Ende würde ich am liebsten weiterlesen.

Beware the goblin men and the wares they sell.

Als ihre Schwester Käthe in den Untergrund verschleppt wird, tut Liesl alles, um sie zurückzuholen. In weiterer Folge wettet sie mit dem listigen Koboldkönig um ihr Leben, verliert und findet sich selbst. Schließlich ist sie diejenige, die im Untergrund bleibt und allmählich mit seinen Geheimnissen vertraut wird. Als unterdrückte Komponistin gibt sie ihre Musik auf, bekommt sie wieder und kann sich besser entfalten als ihr Vater es ihr je erlaubt hat. Aber was sie bekommt, wird ihr wieder genommen, denn so lauten die alten Gesetze. Die Handlung erstreckt sich über zwei Welten und kombiniert Liesls Musik, Erinnerungen und Liebe zu einem gewaltigen Musikstück. Der Koboldkönig stellt Kontrast und Gegenstück zu ihrer Stimme dar, die Geschichte der beiden dreht sich um Tod und Leben, Vergeben und Hoffen. Beide sind vielschichtig und bieten die perfekte Mischung aus bitter und süß, wie gute Schokolade.

Stellenweise habe ich etwas Deutsch aus dem Schreibstil im Englischen herausgehört, nicht nur eingestreute Wörter (Der Erlkönig, mein Herr, Torte), sondern auch bestimmte Formulierungen, die vielleicht nur deutschen Muttersprachlern auffallen. Diese hinterlassen den Eindruck des Übersetzten oder Überlieferten, etwas, das ursprünglich deutschsprachig war oder hätte sein sollen. Dadurch bekommt Liesls Stimme etwas Fremdartiges, aber auch Elegantes. Jae-Jones schafft eine ganz eigene Sprache, in die ich mich immer wieder versenken will wie in ein duftendes warmes Bad – noch ein Aspekt, der ihr Buch einzigartig macht.

So schön die Geschichte auch war, so sehr hat das Ende geschmerzt. Ich werde nichts verraten, aber das Ende ist zum Großteil daran schuld, dass ich mehr will, dass ich noch nicht zufrieden bin. Diese Geschichte ist zu wirklich, um als Märchen durchzugehen, aber fast zu schön, um so zu enden wie sie es nun mal getan hat. Ich hoffe sehr, dass die Autorin bald Nachschub liefert.

Studiowoche 8

Da mein Hauptprojekt Súl Samhraidh vorerst in der Schublade ruht, brauchte ich diese Woche etwas Ablenkung von Juno und Eddie. Die beiden spuken noch immer in meinem Kopf herum, aber wenigstens das Jucken in meinen Fingern konnte ich anderweitig befriedigen. Nikas Aufruf zu Kurzgeschichten über starke Gefühle kam da genau richtig!

Nach einer Idee, die aus mangelnder Begeisterung verworfen wurde, wage ich auch mit dieser Kurzgeschichte ein Experiment und bin schon sehr gespannt auf Meinungen. Ein wenig Zittern ist auch dabei. Zum ersten Mal arbeite ich mit wechselnden Zeiten (Präsens und Präteritum) und ungewöhnlichen Satzzeichen (dem Gedankenstrich), beides Ideen, die ich schon seit einiger Zeit mit mir herumtrage. Auch Symbolik setze ich seit kurzem bewusster ein, seien es Pflanzen, Tiere oder andere Dinge. Bisher hatte ich eher Probleme mit dieser Arbeitsweise, das Ergebnis wirkte jedes Mal viel zu konstruiert. Bei dieser Geschichte hatte ich von Anfang an ein anderes Gefühl. Auch beim Schreiben hat sie mich mit einer unvorhergesehenen Wende überrascht und damit, wie nahe sie mir geht. Inzwischen habe ich einen Titel, Gespräche mit Bergen, und etwas über 2,000 Wörter, mit denen sie auch schon abgeschlossen ist.

Dieses Jahr habe ich mir wieder vorgenommen, an verschiedenen Ausschreibungen teilzunehmen. Die Kurzgeschichte für Bordsteinprosa bildet den Anfang, daneben habe ich zwei Fantasy-Anthologien im Blick und sammle bereits fleißig Ideen. Die Pause zwischen dem ersten Entwurf und der Überarbeitung von Súl Samhraidh will ich nutzen, um an diesen Kurzgeschichten zu arbeiten.

Daneben versuche ich mich wieder an Gedichten und Haikus, zwei Formen, mit denen ich bisher wenig bis nichts anfangen konnte. Seltsamerweise gefallen mir diese Versuche, obwohl ich keinen Schimmer habe, was ich damit anstellen soll. Für Empfehlungen (Lyrik-Ausschreibungen? Online-Magazine?) wäre ich sehr dankbar!

Rezension: Zwei Königinnen

2kMagret Kindermann
Eigenverlag, 2017
Taschenbuch, 421 Seiten
Amazon

Teleportieren ist die neue, aufregende Art zu reisen. Auf dem Weg zu einem Termin geschieht Elin ein Unfall: Ihr Körper wird nicht zum Ziel übertragen, sondern kopiert. Sie existiert nun zwei Mal, die gleiche Vergangenheit, gleichen Eigenschaften, Wünsche. Niemand will von der Fehlfunktion hören, stattdessen werden die beiden Elins sich selbst überlassen.

Ein Roman, ein Gedankenspiel: Was, wenn es mich plötzlich zweimal gäbe? Teleportieren ist eine neue Technologie, die sich in naher Zukunft entwickelt und der Menschheit erlaubt hat, einen zweiten Planeten zu besiedeln. Dabei konzentriert sich der Roman nicht auf futuristische Aspekte, sondern die persönliche Geschichte der Journalistin Elin, die beim Teleportieren durch einen Fehler verdoppelt wird. Elin ist auf einmal Elin und Paula.

Wer sind wir, wenn unser Anspruch auf Identität in Frage gestellt wird? Wer setzt sich durch und was passiert mit dem Verlierer? Durch Anspielungen auf Elisabeth I. und Maria Stuart bauen sich Erwartungen an einen Krieg um die Krone („die echte Elin“) auf, der tatsächliche Kampf spielt sich jedoch sehr subtil und nur angedeutet ab. Später kommen weitere Schicksale dazu, die Handlung weitet sich auf einen äußeren Konflikt aus: den Protest gegen das Unternehmen, das Teleportieren entwickelt und monopolisiert hat. Zwischen den Zeilen schimmern intelligente Seitenhiebe auf wirtschaftliche Monopole, Medien und Kommerz durch.

Trotzdem sind es die Einzelschicksale, die den Roman spannend und einzigartig machen: Angefangen von kuriosen sprechenden Namen über exotische Verhaltensweisen bis hin zu Gefühlskonflikten und folgenreichen falschen Entscheidungen, Kindermann schafft es, den Leser für ihre Charaktere einzunehmen. Ihr stellenweise holpriger, aber doch erfrischender Schreibstil trägt nur weiter dazu bei. Darüber hinaus beeindruckt ihr Mut, mit Wörtern zu spielen und eine neue Sprache zu versuchen.

Alles in allem ein Roman, der zum Nachdenken anregt: darüber, wer wir sind und was wir sein wollen. Wie viel an uns bewusste Entscheidung ist und wie viel äußere Umstände. Nach einigen Überraschungen haben die zwei Königinnen mir vieles beigebracht und mich immer noch nicht losgelassen. Ich bin froh, dass ich die Gelegenheit hatte, ein wenig bei der Entstehung des Romans zu helfen, und gratuliere Magret zu einem wunderbaren Debüt!

Schlaf und Traum

Wer mir auf Twitter folgt, kennt die Neuigkeiten schon: Súl Samhraidh ist beendet. Die Feen sind aus dem Exil zurück, das magische Artefakt übergeben, die Menschen in ihre Welt zurückgeschickt und Gefühle offengelegt. Kryptisch genug? Seit September letzten Jahres habe ich an diesem ersten Entwurf geschrieben und jetzt ist er mit knappen 82,000 Wörtern abgeschlossen. Für meine Verhältnisse war das langsam, dafür bin ich sehr stolz auf das Ergebnis. Für dieses Projekt habe ich die Android-App Writeometer benutzt, die mir jetzt einige nette Statistiken ausspuckt.

writeometer

Fazit: Ich hätte wesentlich schneller, öfter und mehr schreiben können, aber inzwischen bin ich an diesem Punkt angelangt, an dem ich über die netten Statistiken hinaussehe. Wortanzahl hin oder her, von welcher Qualität sind die Wörter, die produziert wurden? Wie viele davon werden bei der Überarbeitung wieder gestrichen oder umgeschrieben? Das sind die Fragen, die ich mir vor allem gestellt habe. Daher habe ich lieber pausiert, wenn ich im Plot nicht weiterwusste, anstatt draufloszuschreiben.

Meine größte Erkenntnis war handlungstechnischer Natur: Dadurch, dass ich mehrere Handlungsstränge koordinieren musste, habe ich viel darüber gelernt, wie verschiedene Nebenplots und Charaktere die Rahmenhandlung antreiben, wie alle Elemente zusammenspielen müssen, damit eine spannende Geschichte entsteht. Ich nehme an, darüber werde ich bei der Überarbeitung noch mehr lernen.

Ja, es wird eine Überarbeitung geben! Auch ich gehöre zu den Autoren, die ihren Roman eine Weile nicht anrühren – mindestens einen Monat, dann werde ich mich wieder darauf stürzen. Im Moment kann ich mir nicht vorstellen, so lange zu warten, aber der Vorsatz ist da. Zur Überarbeitung gehört auch Diskussion mit Testlesern, obwohl ich noch nicht weiß, wann ich diese einschieben werde. Zu gegebener Zeit werde ich das auf jeden Fall hier verkünden!

Bis dahin bleibe ich nicht untätig, im Gegenteil. Kurzgeschichten für zwei Ausschreibungen sind in Planung und Buchvorstellungen für mein Papierstudio. Juno und Eddie haben mir viel gegeben, unter anderem weitere Geschichten, die erzählt werden wollen.

Licht unter der Erde

Kurz vor dem Ende will Súl Samhraidh sich nur widerwillig verabschieden, inzwischen bin ich bei 75,761 Wörtern angekommen. Ein kurzer Blick auf noch ausständige Szenen hat ergeben, dass es mehr sind als gedacht. Aber warum wundere ich mich überhaupt noch?

Letzte Woche durfte ich einige Szenen schreiben, auf die ich lange gewartet habe. Zum einen die letzte Konfrontation mit den Feen, die Eddie und Juno die ganze Geschichte hindurch auf den Fersen sind, zum anderen erste Eindrücke vom unterirdischen Hof der Feenkönigin. An dem Tag musste ich etwas Recherche über Pflanzen einschieben, was dann doch spannender war als erwartet …

Außerdem hatte ich Spaß beim Schreiben von Junos und Eddies Wiedersehen nach mehreren Wochen der Trennung. Habe mir Gedanken darüber gemacht, wer die Hintergrundgeschichte wie am spannendsten erzählen könnte, aber keine zufriedenstellende Lösung gefunden. Jetzt, da ich fast am Ende stehe, kann ich einen Blick zurückwerfen und viele Dinge klarer sehen. Das große Thema, das früher eher ein vager Wunsch war, ist im Nachhinein kristallklar. Inzwischen verstehe ich so gut wie nie zuvor, wie ein Roman auf eine einzelne Botschaft zugeschnitten ist und wie diese schreibtechnisch mit der Handlung verwoben wird. Was noch zu tun ist: Theoretisches Wissen in Praxis umwandeln.

Auch nächste Woche werde ich mich mit Súl Samhraidh beschäftigen und diesmal hoffentlich bis zum ersehnten Ende gelangen. Aber davor tanzt Juno ein letztes Mal mit den Feen, sogar wortwörtlich.

ss-juno